Versichern trotz Vorerkrankungen - die Öffnungsaktion

Manchmal stehen Beamte vor der Problematik, dass Sie mit Ihrer Verbeamtung zwar Anspruch auf Beihilfe seitens es Dienstherren haben, aufgrund von Vorerkrankungen jedoch keinen Restkostentarif in der privaten Krankenversicherung mehr erhalten.
 

Für diese Beamte besteht ein besonderer Zugangsweg in die private Krankenversicherung: "Die Öffnungsaktion".

Dies ist eine Aktion, der sich eine Vielzahl von Versicherern die Mitglieder im Verband der Privaten Krankenversicherung sind, angeschlossen haben. Die teilnehmenden Versicherer haben sich verpflichtet, auch Beamte, die anderweitig wegen Vorerkrankungen keinen Versicherungsschutz erhalten mit einem maximalen Risikozuschlag von 30% versichern.

Die Aktion gilt auch für Ehegatten von Beihilfeberechtigten und deren Kinder, sofern diese nicht im Rahmen der GKV z.B. Versicherungspflichtig sind. Die Aktion ist zeitlich nicht befristet. Es besteht also auch die Möglichkeit, dass die Aktion umgestaltet wird, Versicherer nicht mehr teilnehmen oder die Aktion zu beendet wird

Im Wesentlichen können zwei Gruppen von Beamten derzeit den Zugang in die PKV nutzen:  GKV versicherte Beamte die am 31.12.2004 bereits Beamte waren und Beamtenanfänger.
 

Im Folgenden beschreibe ich einige Regelungen zur Öffnungsaktion für Beamtenanfänger:
 

Als Beamtenanfänger gelten:
 

Beamte auf Probe, Beamte auf Zeit / Zeitsoldaten, Beamte auf Lebenszeit / Berufssoldaten aber auch z.B. Richter, Geistliche (sofern "beamtenähnlich").

Über dies gilt die Aktion für Familienangehörige der vorgenannten Gruppen (ab dem Zeitpunkt ihrer Berücksichtigungsfähigkeit!). 
 

Tip: Für Angehörige sollte, sofern diese Gesund aber noch nicht berücksichtigungsfähig sind, ggf. gleichzeitig mit dem Antrag des Beamten / der Beamtin, eine Anwartschaftsversicherung abgeschlossen werden, die es dem Angehörigen später ermöglicht ohne erneute Gesundheitsprüfung in die PKV zu wechseln.
 
 

Wann muss der Versicherungsantrag über die Öffnungsaktion gestellt werden?
 

Der Antrag muss Innerhalb von 6 Monaten nach erstmaliger Begründung des Dienstverhältnisses gestellt werden. Besonderheit Angehörige: Die Frist beginnt hier mit dem Zeitpunkt der Berücksichtigungsfähigkeit, ggf. also erst Jahre nach dem Antrag des Beamten / der Beamtin (z.B. durch Heirat).
 

Gefahr: Wenn Sie die Antragsfrist versäumen, haben sie später keine Möglichkeit mehr, sich über die Öffnungsaktion zu versichern!
 
 

Wie oft kann die Öffnungsaktion genutzt werden?

Je Berechtigtem einmalig. 
 

Beachte: Dies bedeutet nicht, dass Sie nur einen Versicherer anfragen (Probeantrag) können oder nur einen "normalen" Antrag stellen können (Bitte im Einzelfall prüfen - einige wenige Versicherer sehen dies anders!). Lediglich der Versicherungsantrag über Öffnungsaktion kann nur einmal genutzt werden.
 

Grundsätzliche Zusagen der Öffnungsaktion


- Es erfolgt keine Ablehnung durch beteiligte Versicherer.
- Leistungsausschlüsse werden nicht vereinbart.
- Zum Ausgleich eines erhöhten Kostenrisikos dar der Versicherer einen Zuschlag erlangen. Dieser Zuschlag darf allerdings maximal 30% des Tarifbeitrages betragen
 

Achtung, der Kontrahierungszwang entbindet Sie nicht von Ihrer Anzeigepflicht und den ehrlichen und Umfassenden Angaben im Antrag!
 

Welchen Schutz kann man über die Öffnungsaktion erhalten?
 

Der Versicherungsschutz kann, unter Beachtung des Beihilfeanspruches, auf zusammen 100% aufgestockt werden und sollte im privat abgesicherten Bereich, inhaltlich dem Schutz der Beihilfe entsprechen. Doch Versicherer haben oft sehr unterschiedliche Tarife - derzeit bieten kein privater Versicherer über die Öffnungsaktion, den exakt gleichen Leistungsumfang wie ihn die Beihilfeverordnungen bieten (der Schutz kann in einzelnen Punkten besser oder auch schlechten sein).  
 

Wichtig: Versicherer sind nicht verpflichtet, bei Anträgen über die Öffnungsaktion,  ergänzenden Schutz zur Schließung von Lücken in der Beihilfe anzubieten. Lücken können Beispielsweise bei ergänzenden Zahnleistungen, Hilfsmittelleistungen, Auslandsversicherungen mit Krankenrücktransport, Leistungen für Psychotherapie, Heilpraktiker und Naturheilverfahren, Krankenhaustagegelder oder Kurleistungen fallen.
 

Gefahr: Versicherer die einen umfangreichen Ergänzungsschutz bieten habe oft nur einen schlechten bis mittelmäßigen Grundschutz. Der unwissende Abschluss bei einem solchen "Zweiklassenversicherer" kann zu erheblichen Kostenrisiken führen, denn wie zuvor beschrieben: Über die Öffnungsaktion gibt es i.d.R. keinen Beihilfeergänzungstarif! 
 


Und es gibt weitere Einschränkungen und Risiken, die oft unterschätzt werden!
 

Es ist zu bedenken, dass die Öffnungsaktion kein Gesetz ist. Vielmehr ist eine Selbstverpflichtung einiger (nicht aller!) Versicherer, die Öffnungsaktion gemäß den Vereinbarungen mit dem PKV Verband umzusetzen. Dies bedeutet aber auch, dass es seitens der Annahmerichtlinien und den angebotenen Tarifen zum Teil erhebliche Unterschiede in der Auslegung und Anwendung geben kann! In sofern können einige nachfolgend geschilderte Gefahren und Risiken sich auch nur auf einzelne oder wenige Versicherer beschränken! 

 
Erhebliche Gefahr: Einige Versicherer vereinbaren (derzeit) den Verzicht auf Leistungsausschlüsse, oder die Begrenzung der Zuschlages auf 30% nur für die Zeit des Beihilfeanspruches und vereinbaren für die Zeit danach in der Police Ausschlüsse und/oder Risikozuschläge die ein Vielfaches des Tarifbeitrages bedeuten können! 
Existenzbedrohend können solche Klausel z.B. für Beamte auf Zeit, Angehörige von Beamten oder Beamten, die den Beamtenstatus aufgeben, werden!


 
 
Beamte haben auch als Singles bereits bei der Auswahl Ihres Krankenversicherer also eine erhebliche Verantwortung für Angehörige, denn selbst wenn der gesunde Beamte heute einen umfassenden Schutz erhält, so kann die falsche Versichererwahl dazu führen, dass später hinzukommende Angehörige, aufgrund Vorerkrankungen, plötzlich einen erheblich schlechteren Schutz bekommen. Alle vorgenannten Gefahren können auf Angehörige auch Jahre nach Ihrer heutigen Vertragswahl noch zukommen, wenn Sie bei der Versichererauswahl nachlässig sind!
 


Verstehen Sie mich bitte nicht falsch! Für viele Beamte ist die Öffnungsaktion ein Glück und oft die einzige Möglichkeit Versicherungsschutz in der PKV zu bekommen. Ich möchte Sie lediglich davor warnen, vorschnell eine falsche Entscheidung bei Ihrer Versichererwahl treffen.
 

Dies war lediglich ein kleiner Auszug von Punkten, die zu beachten sind.

Treffen Sie daher Ihre Entscheidung nicht voreilig und konsultieren Sie in jedem Fall einen Fachmann, der Ihnen bei der Vertragssuche und Antragstellung hilft.